Arzneimittelpreise steigen weiter


Kunden zahlen für Vermarktung
Arzneimittelpreise steigen weiter

Das neue Arzneimittelneuordnungsgesetz wurde 2011 verabschiedet, um dem starken Anstieg der Arnzeimittelausgaben seitens der gesetzlichen Krankenkassen entgegen zu wirken. Die Preise für Arzneimittel steigen in Deutschland jedoch weiter.

Erschienen vor 2011 neue Arzneimittel auf dem Markt, legten die Hersteller den Preis selbst fest. Dieser fiel nicht allein wegen der Kosten für Forschung, Entwicklung und die Herstellung hoch aus. Vor allem das Bestreben der Pharmakonzerne nach Gewinnmaximierung trieb den Preis in die Höhe. Dies trug dazu bei, dass die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen rasant anstiegen.

Hoffnung neues Arzneimittelneuordnungsgesetz von 2011

Seit dem neuen Arzneimittelneuordnungsgesetz vom Januar 2011 dürfen die Hersteller den Preis des neuen Medikaments nicht mehr selbstständig festlegen. Verfügt das Medikament im Vergleich zu schon auf dem Markt befindlichen Mittel über einen Zusatznutzen, handeln die Hersteller gemeinsam mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen Erstattungsbetrag aus. Liegt kein Zusatznutzen vor, wird das Medikament einer Festbetragsgruppe zugeordnet. Die Neuerung sollte für ein Gleichgewicht zwischen Innovation und Bezahlbarkeit der Medikamente auf dem Markt sorgen und die Krankenkassen entlasten.

Trotz des neuen Gesetzes werden Medikamente zu teuer verkauft

Dennoch steigen die Arzneimittelpreise in Deutschland weiter. Zu diesem Ergebnis kam die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) auf Basis einer Analyse. „Wir verfolgen die Entwicklungen auf dem Arzneimittel-Markt mit großer Sorge“, berichtet Ingo Kailuweit, KKH-Vorstandschef in Berlin. „Bald zahlen Krankenkassen wieder mehr für Medikamente als für die gesamte ärztliche Behandlung. Das sind ganz bittere Pillen für das Gesundheitswesen.“ Allein zwischen 2007 und 2014 sind die Arzneimittelkosten bei der KKH um 32 Prozent gestiegen.

Gesetzesnische als Vorteil für Pharmahersteller

Im ersten Verkaufsjahr dürfen die Pharmahersteller den Preis des neuen Medikaments weiterhin selbstständig festlegen. Beginnen die Preisverhandlungen, haben Hersteller oft schon das Nachfolgepräparat auf den Markt gebracht – wieder zu einem hohen Preis. Das Hepatitis C-Medikament Sovaldi, dessen Nachfolger Harvoni kein Jahr später zu einem noch höheren Preis auf den Markt kam, sei laut Kailuweit eines von vielen Beispielen

Auch direkte Vermatktung ist im Preis inbegriffen

Die hohen Preise setzen sich nicht nur aus den Kosten für Herstellung, Entwicklung und Forschung zusammen. Sie decken zugleich die Ausgaben für die direkte Vermarktung. Rund 15.000 Pharmaberater führen jährlich ungefähr 20 Millionen Besuche bei Ärzten durch. Dr. Rolf Kühne von der Ärzteorganisation „Mein Essen zahl ich selbst“ (MEZIS) kritisiert: „Ärztliche Tätigkeit sollte patienten- und nicht gewinnorientiert sein. Jeder Patient hat das Recht, dass die ihm verschriebenen Medikamente ausschließlich aufgrund unabhängiger wissenschaftlicher Informationen und nicht aufgrund interessengeleiteter Informationen der Pharmaindustrie verordnet werden.“

Angesichts dieser Marktbedingungen spricht KKH-Chef Kailuweit von einem Marktversagen und fordert, dass der Profitmaximierung der Pharmaindustrie wirksam begegnet wird. Die KKH stellte ihre Analyse deswegen am 26. November Politikern vor.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) analysiert die Arzneimittel auf ihren Zusatznutzen. Wissenswertes rund um das Verfahren zum Zusatznutzen erfahren Sie auf der Internetseite des IQWIG.

Quellen:

Bundesministerium für Gesundheit und Pharmazeutische Zeitung online am 8.12.2015

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